Die Angst

Alfred Adler, Menschenkenntnis 1927

Alfred Adler Foto

Eine überragende Bedeutung im Leben eines Menschen hat die Angst.

Ängstlichkeit ist eine ausserordentlich weitverbreitete Erscheinung, die den Menschen von den frühesten Kindheitstagen oft bis ins hohe Alter begleitet und ihm in einem unerhörten Maß das Leben verbittert. Das Kind wächst auf, als wenn es sich in Feindesland befände. Ihm wird das Leben nicht in günstigem Licht erscheinen, weil es immer wieder und von überall her schlimme Eindrücke erwartet. Schliesslich nistet sich die Angst in alle Beziehungen des täglichen Lebens ein. Wir betrachten das, was wir an ihm sehen, als die Abdrücke seiner ersten Kindheitserlebnisse.

Aufgehoben kann die Menschenangst nur durch das Band werden, welches den Einzelnen mit der Gemeinschaft verknüpft.

Nur der wird ohne Angst durchs Leben gehen können, der sich seiner Zugehörigkeit zu den anderen bewusst ist.

Geleitwort zum Buch Grosse Pädagogen

von Friedrich Liebling

Buch Grosse Pädagogen Rattner
Josef Rattner: Grosse Pädagogen. Geleitwort von Friedrich Liebling (Zürich 1956). München: Ernst Reinhardt

Friedrich Liebling, einer der grossen Psychologen und Pädagogen des 20. Jahrhunderts, legt dieses Buch mit folgendem Schlusswort in unser aller Hände:

« Der große Vorzug dieses Buches besteht darin, daß es in konzcntrierter Form die Gedankenwelt der hervorragendsten pädagogischen Schriftsteller zur Darstellung bringt: Ein lobens- und dankenswertes Unternehmen, das vor allem diejenigen zu schätzen wissen werden, denen es nicht möglich ist, die umfangreichen Werke dieser Autoren selbst zu lesen; viele aber werden durch die vorliegenden Essays zu einem vertieften Studium der Klassiker der Pädagogik angeregt werden. Das Buch gehört in die Hände aller, die an den Problemen der Erziehung Anteil nehmen»

Über die Bedeutung der Erziehung

von Dieter Sprock

Um die Frage der Kindererziehung ist es still geworden. Das Thema ist aus den Schlagzeilen verschwunden und scheint auch bei vielen Eltern heute nur wenig Aufmerksamkeit zu finden. Man könnte meinen, das Wissen um die Bedeutung der Erziehung sei in Vergessenheit geraten. Im Alltag begegnen wir Eltern, welche die natürlich gegebene Ordnung auf den Kopf stellen. Sie sind unaufhörlich darum bemüht, ihren Kindern alles recht zu machen und ihnen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Sie richten sich auf die Kinder aus und überlassen ihnen die Führung.

Ursachen der Jugendverwahrlosung

Von Friedrich Liebling

veröffentlicht in: Neue Zürcher Zeitung NZZ, 21. Oktober 1962

In den Berichten über verwahrloste Jugendliche taucht oftmals der Begriff der "Psychopathie" auf. Damit soll angedeutet werden, dass die jungen Menschen, die in irgendeiner Weise aus dem Rahmen fallen, an angeborenen Persönlichkeitsdeformationen leiden. Diese Auffassung, die vor Jahrzehnten noch allgemein vorherrschend war, ist jedoch in der letzten Zeit als irrtümlich und oberflächlich erkannt worden.

Vor allem die Tiefenpsychologie hat uns gezeigt, dass die Vergangenheit mit dem «Psychopathieverdikt» allzu leichtfertig umsprang. Jede Charakteranomalie, die der Untersucher nicht auf bestimmte Lebensumstände zurückführen konnte, galt als «psychopathisch», womit die Sache erledigt und abgetan war.

Beiträge

Nachrichten der Beratungsstelle für Lebensfragen

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